Rechtsraum und Rechtskreis

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Rechtsraum ist der von einer Rechtsordnung erzeugte virtuelle Handlungsspielraum, innerhalb dessen man sich bewegt und dessen Regeln man unterliegt, solange man sich dort aufhält.

Voraussetzung für das Vorhandensein eines Rechtsraums ist das Vorhandensein von interagierenden Menschen. Recht ist eine Idee, die mit dem Menschen erscheint und mit ihm geht. Rechtsfreier Raum ist also nur dort, wo keine Menschen sind. Rechtsräume sind witzigerweise räumlich unabhängig. Sie wandern mit dem Menschen und wechseln je nach Rechtstitel, den der Mensch verwendet.

Einen Rechtsraum betritt man nämlich per Rechtstitel. Der Rechtstitel ist sozusagen die Tür zum Rechtsraum, durch die man hineinkommt und ihn wieder verläßt. Wer kein Angestellter einer bestimmten Firma ist, braucht sich bei seinem Verhalten um die internen Vorschriften dieser Firma nicht zu kümmern. Wer einen bestimmten Beruf nicht ausübt, braucht sich um das entsprechende Berufsrecht nicht zu scheren.

In zwei Rechtsräumen gleichzeitig kann man sich nicht aufhalten. Das ist wie mit einem Haus: es gibt übergeordnete und untergeordnete Räume (Land, Landkreis, Gemeinde, Grundstück, Haus, Etage, Zimmer, Schrank, Schublade, Dose …). In jedem gesonderten Raum des Rechts gelten neben den übergeordneten Regeln die speziellen Regeln, die ihn überhaupt erst als separaten Raum definieren. In übergeordneten Räumen braucht man sich nicht an die Regeln von untergeordneten Räumen zu halten, in gleichgeordneten Räumen nicht an die eines anderen Raumes der gleichen Ebene. Noch in der kleinsten „Schublade“ jedoch gelten z.B. die Hausordnung und das Naturrecht als übergeordnete Rechtsräume. Auf der öffentlichen Straße dagegen gilt die Hausordnung eines Gebäudes nicht.

Der Rechtskreis dagegen ist eine Gruppe verschiedener, aber (kulturell, geschichtlich, politisch etc.) verwandter Rechtsräume. Er ist meist über das gesetzte Recht definiert und damit abhängig von politischen Gegebenheiten. Man kann sich sehr wohl in zwei Rechtskreisen gleichzeitig aufhalten, da Rechtskreise räumlich an den Geltungsbereich ihrer Gesetze gebunden sind, die sich überlagern können. Wenn man z.B. standesamtlich und kirchlich heiratet, vollzieht man denselben Akt in zwei verschiedenen Rechtskreisen: dem kirchlichen und dem nichtkirchlichen Rechtskreis.

Soweit mein Verständnis. Wenn ich wo falsch liege, bitte ich um Rückmeldung. Denkfehler sind immer möglich.

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