Der Große Betrug oder Der Bürger als Realwertzapfstelle

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Nur in absolutistischen Staaten ist der Bürger ein Untertan, dessen Status an Leibeigenschaft grenzt. Absolutismus und „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ schließen sich eigentlich schon vom Wortsinn her aus.

Dennoch ist der heutige Bundesbürger in der ihm vorgegebenen und von ihm akzeptierten und nur in geringem Umfang hinterfragten Staatsform mehr Untertan als alles andere.

Er ist der Hamster, der das Immer-Reicher-Hamsterrad der Staatseigentümer antreibt.

Er ist die permanent bedarfsgerecht wertschöpfende Energiequelle für die Zinswachstumsspirale.

Er ist eine Batterie auf zwei Beinen, die sich selbst reproduziert.

Er ist Humankapital, Menschenvieh, Realwertzapfstelle, Lagerbestand oder Produktionsmittel.

Was ist Geld?
Dazu muß man wissen, daß unser heutiges Geld weltweit keinen eigenen Wert hat. Es funktioniert wie ein Schuldschein, mit dem eine noch zu erbringende Leistung in Form von Ware oder Arbeit versprochen wird. Man schaut so einen Geldschein – der nur scheinbar Geld ist – an und stellt sich vor, was man damit alles kaufen könnte. Wenn man denkt, daß man nichts damit kaufen kann, dann hat der Geldschein für einen auch keinen Wert, nicht wahr?

Wie viel oder wie wenig Ware oder Leistung man dafür bekommt, hängt davon ab, wie viele dieser Schuldscheine es gibt und wie viele Menschen auf diese Schuldscheine scharf sind: Gibt es viele Menschen, die sich um einen solchen Schuldschein reißen und ihn gegen ihre Leistung eintauschen wollen, kriegt man mehr von Menschen erbrachte Leistung für den Schuldschein bzw. der arbeitende Mensch für die gleiche Leistung einen Schuldschein mit kleinerer Zahl drauf. Gibt es wenige Menschen, aber viele Schuldscheine, denen sie mit ihrer Leistung Wert verleihen sollen, dann bekommt der Besitzer des Schuldscheins weniger Leistung dafür bzw. der arbeitende Mensch für die gleiche Leistung einen Schuldschein mit höherer Zahl darauf. Der reine Zahlenwert solcher Schuldscheine wird üblicherweise „Geldmenge“ genannt. Ihre Erhöhung nennt man Inflation (lat. = Anschwellen, Aufblasen).

Es wechselt also nicht etwa der Wert der real erbrachten Arbeit des einzelnen Menschen, sondern der Wert der Schuldscheine (= Versprechen der Leistung eines anderen Menschen), mit denen die Arbeit bezahlt wird. Dieser Wert hängt davon ab, wieviel Schuldscheine es gibt, wie groß die Zahlen darauf sind und wieviele leistungsfähige Menschen es gibt, welche diesen Schuldscheinen Wert verleihen können.

Jedes heutige Geld (mit Ausnahme von gold- silberhaltigen Münzen) ist also gewissermaßen ein Kredit, ein noch zu erfüllendes Leistungsversprechen. Alle Geldscheine und Münzen sind nicht einmal ihre Material- und Herstellungskosten wert, wenn sie ihren üblichen Zweck des leicht übertragbaren Leistungsversprechens nicht mehr erfüllen können, weil niemand sie mehr haben will, weil er sie nicht mehr nutzen kann. Wert ist immer nur vorhanden, wenn eine Sache aus menschlicher Sicht einen erkennbaren möglichen Nutzen für ihn hat. Was keinen Nutzen hat, hat keinen Wert. Geldscheine haben meist einen gewissen Heizwert, Münzen können notfalls als Spielgeld oder als Gewichtmaterial genutzt werden. Wenn aber keiner heizen, spielen oder wiegen will, fallen auch diese Nutzungsmöglichkeiten weg und damit der Wert, der ihnen beigemessen wird.

Wer macht das Geld?
Geschaffen wird dieses Kreditgeld von dem Menschen, der den Schuldschein am Anfang unterschreibt und einem anderen Menschen gibt. Damit wird auch der noch nicht real geschaffene, sondern zunächst nur versprochene Wert dieses Schuldscheins von demjenigen in die Welt gesetzt, der ihn am Anfang unterschreibt und gegen schon verfügbare Leistungen anderer Menschen eintauscht. Es ist sozusagen ein negativer Wert, in der Buchhaltung ausgedrückt durch ein Minus vor dem Betrag oder durch Rotschreibung („rote Zahlen“).

Nichts anderes passiert nun, wenn jemand zur Bank geht und „von ihr“ einen Kredit „bekommt“. Wer unterschreibt denn das Papier? Beide „Kreditvertragspartner“? Aber nein, nur der Kreditgeber. Und das ist nicht die Bank! Nein, das sind Sie, der Mensch, der das Papier mit der vereinbarten Zahl unterschreibt. Es steht zwar „Kreditantrag“ darauf, oder sogar „Kreditvertrag“. Aber das ist eine Täuschung. Sie sind nicht etwa Kreditnehmer, Sie sind Kreditgeber!

Was dieses Papier in Wahrheit ist, ist ein von Ihnen unterschriebener Schuldschein, und damit ein Wertgegenstand. Sie schaffen mit Ihrer Unterschrift unter den „Kreditvertrag“ einen Wertgegenstand, mit dem die Bank ordentlich Geld verdienen wird, weil er als Wertgegenstand in die Bankbilanz einfließt – in welcher Spalte, das lassen wir hier außen vor, das wird sonst zu kompliziert. Fakt ist, Sie als Schuldscheinunterzeichner haben den versprochenen Wert, und damit den vereinbarten Geldbetrag, geschaffen. Sie haben der Bank einen Kredit gegeben, indem Sie für die Bank einen Wertgegenstand geschaffen haben, ohne bisher mehr zu tun als Ihre Unterschrift auf ein Stück Papier zu setzen.

Die Zahl, die im Gegenzug von der Bank in Ihr Konto eingetragen wird, ist der vereinbarte Gegenwert Ihrer Unterschrift. Sie und die Bank haben beide ein gutes Geschäft gemacht, Sie sind jetzt eigentlich quitt miteinander, wie man so schön sagt. Sie als Mensch haben ohne große Anstrengung einen Wertgegenstand in die Welt gesetzt und sind dafür anständig bezahlt worden. Die Bank hat den Wertgegenstand bekommen, und Sie haben eine schöne Zahl in Ihr Konto eingetragen bekommen, die Sie in kleinen, bunten Schuldscheinen aus dem Automaten ziehen und in reale Werte eintauschen können. Genau wie die Bank den eben gekauften Wertgegenstand Schuldschein – woanders -in reale Werte eintauschen wird.

Der Große Betrug
Aber so ist das doch gar nicht, protestieren Sie nun? Sie haben recht. So sollte es nur sein, wenn es ein ehrliches Geschäft wäre. Tatsächlich geht jetzt die große Abzocke, das große Realwertabschöpfen los. Nicht nur sollen Sie den Wert des Wertgegenstands, den Sie mit Ihrer Unterschrift für die Bank geschaffen haben, jetzt an die Bank „zurückzahlen“, nein, Sie sollen auch noch Zins und Zinseszins auf diesen Wert zahlen, so daß am Ende oft mehr als der doppelte Betrag dabei herauskommt.

Und wenn Sie das aus verschiedenen Gründen einmal nicht mehr nicht können, dann verlieren Sie Ihr gesamtes Eigentum per Pfändung, Zwangsvollstreckung und Zwangsversteigerung. Über die dann womöglich noch verbleibende „Restschuld“ werden Sie zum nahezu rechtlosen Schuldsklaven, der wegen der weiter anfallenden Zinsen mit großer Wahrscheinlichkeit bis an sein Lebensende nahezu rechtloser Schuldsklave bleibt und der Bank von seinen geschaffenen Werten alles schuldet, was sie für nicht lebensnotwendig hält.

Das lernen unsere Kinder natürlich nicht in der Schule. Das sollen sie auch gar nicht wissen. Sie sollen denken, daß es eine Schande ist, der Bank „das geliehene Geld nicht zurückzuzahlen“. Sie sollen denken, die Bank verleiht die Guthaben ihrer Kunden (die ebenfalls Kredite sind, die die Kunden der Bank gegeben haben!). Dabei darf sie das gar nicht, das ist ihr gesetzlich verboten. Macht sie natürlich trotzdem, nur indirekt, das ist erlaubt. Sie zockt mit all dem Kredit, den ihr all ihre Kunden geben, daß die Schwarte knackt und die Bonuskasse aus dem Klingeln nicht mehr rauskommt. Und wenn sie sich verzockt hat, so daß selbst all der Kredit, den ihre Kunden ihr gegeben haben, nicht ausreicht – dann müssen die Kunden eben wieder ran. Vater Staat wird schon dafür sorgen, mit Gesetzen, Finanzämtern und Gerichten.

So läuft das. Aber so steht das nicht etwa in der Zeitung. Besser ist es auch für die Abzocker und ihre „staatlichen“ Dienstleister. Wie soll schon Henry Ford erkannt haben:

„If the people in this country understood how the banking system works there would be a revolution, probably before tomorrow morning.”

„Wenn die Menschen hierzulande verstehen würden, wie das Bankensystem funktioniert, dann gäbe es eine Revolution, wahrscheinlich noch vor morgen früh.“

Quelle

Die Zinswachstumsspirale
Zusätzlich zu diesem unvorstellbaren Ausmaß von Lug und Trug am ehrlich arbeitenden Menschen ergibt sich durch das Zinssystem der Zwang zu unaufhörlichem Wirtschaftswachstum, das wie eine Spirale höher und höher geschraubt wird, bis die Masse völlig verarmt und verzweifelt ist und die Bankenbetreiber mit jeder neuen Spirale noch mehr Besitz an sich gebracht haben. Jede Spirale endet mit verheerendem Krieg, nach welchem wieder jede Menge Raum für Wirtschaftswachstum ist, weil die Wirtschaft fast völlig zum Erliegen gekommen ist und die Menschen wieder jede Menge Bedarf an Lebensnotwendigem und immer mehr Nicht-ganz-so-Lebensnotwendigem haben.

Das Spiralenspiel geht so:
(Wir nehmen dafür mal an, die Bank verliehe tatsächlich schon vorhandenes, aber trotzdem in sich wertloses Geld, das nur aus bedrucktem Papier oder Bits und Bytes besteht. )
Der Kreditnehmer muß nun nicht nur mit seiner Arbeit die Realwerte schaffen, die das „geliehene“, in sich selbst wertlose Geld mit nicht nur angenommenen, sondern tatsächlichem Wert versehen. Nein, er muß auch noch zusätzliche Werte schaffen, um das zusätzliche Geld zu bekommen, das er gar nicht „geliehen“ hat, aber trotzdem zurückzahlen muß: die Zinsen und die Zinsen auf diese Zinsen.

Irgendwo muß er dieses zusätzliche Geld herbekommen. Entweder er muß selbst mehr Realwerte schaffen und gegen diesen Mehrwert das von ihm zu zahlende Mehrgeld (= Zinsen) eintauschen, oder wenn er das nicht kann oder will, muß er das Geld jemandem anders irgendwie wegnehmen, z.B. indem er ihn mehr arbeiten und Wert schöpfen läßt als mit dem dafür gezahlten Geld abgedeckt ist. Irgendwo am Ende der Kreditgeldkette muß schließlich jemand für fast umsonst oder sogar ganz umsonst arbeiten, erst nur wenige, dann immer mehr …

1€-Job, schon mal gehört? Unbezahltes Praktikum, schon mal gehört?

Wenn der unternehmerische Geldverleiher nun „sein Geld“ samt Zinsen zurückbekommen hat, ist die erste Runde auf der Spirale gedreht. Wir sind nur ein Stück höher und ein Stück außerhalb vom Beginn der Spirale, denn es ist jetzt mehr Geld da als am Anfang, weil ja die Zinsen dazu gekommen sind.

Das Geld, das der Geldverleiher zuzüglich Zins „zurückbekommt“, soll nun nicht etwa nutzlos rumliegen. Es soll „arbeiten“, sonst „bringt es nichts“. Also wird es samt der eingenommenen Zinsen wieder verliehen, als diesmal größerer Kredit, als nächst höhere Runde der Spirale. Mit noch mehr Zinsen, logisch, weil, es ist ja jetzt eine größere Summe. Und um dieses neu in den Kreislauf geschickte Geld mit Wert zu decken und die vereinbarten neuen Zinsen auch, muß diesmal schon mehr Wert geschaffen werden. Mehr Wert kann nur geschaffen werden, wenn auch mehr Bedarf nach Nutzen besteht. Wenn man etwas schafft, das kein Mensch braucht, ist es auf dem Markt nichts oder nur sehr wenig wert.

Mit jeder neuen Runde ist jetzt mehr Geld da, das neu verliehen wird und die Schaffung von noch mehr neuen Werten fordert. Wenn es nur um Lebensnotwendigkeiten und etwas Bequemlichkeit ginge, dann hätten bald alle alles, was sie brauchen, und auf Kredite könnte eine Weile verzichtet werden. Aber es geht eben um „Mehr, mehr“ wie beim kleinen Häwelmann. Deswegen wird auf Teufel komm raus Geld verliehen, und wenn alle schon alles haben, was sie brauchen, dann muß man eben dafür sorgen, daß sie zu brauchen glauben, was sie gar nicht wirklich brauchen, und sie es trotzdem für immer mehr Geld kaufen. Werbung ist alles, wie wir wissen. Und sie wirkt.

Bald ist auch der Luxusbereich ausgereizt. Dann kommt der öffentliche Bereich dran. Öffentliche Pflichtaufgaben werden privatisiert, für alle möglichen sozialen Bereiche gibt es plötzlich gewerbliche Unternehmen, deren Tätigkeit mit Geld bezahlt werden muß, das Kredite abbezahlt und Zinsen „erwirtschaftet“. Das ganze Leben wird bis in den privatesten Bereich in Geschäftsbranchen aufgeteilt, in denen gegen Geld geleistet und Sozialstruktur in Geschäftsstruktur umgewandelt wird, von der Wasser- und Energieversorgung über Krankenhäuser und Schulen bis zur Altenpflege und Friedhofs“bewirtschaftung“.

Dann muß man ans Eingemachte, an immer mehr „Dienstleistungen“, die bisher „kostenlos“ erbracht wurden, z.B. in der Familie. Die eigene Oma fehlt, weil sie wegen ihrer Minirente noch im Rentenalter den ganzen Tag schuften muß, um sich von einem lächerlichen Minijoblohn ihr täglich Brot leisten zu können? Da haben wir den perfekten Service für Sie, eine neue Marktlücke: Rent-a-Granny! Der neue Mietoma-Service!

Alles, alles wird zum Geschäft, damit immer mehr und immer höhere Kredite vergeben und immer höhrere Zinsen generiert werden können. Wo ist die Grenze? Nun, der Planet, auf dem wir leben, hat seine Grenzen. Am Ende steht unweigerlich der nächste verheerende Krieg, damit hinterher die nächste Spirale des Wahnsinns ihren Anfang nehmen kann. Wenn kein Platz und damit kein Bedarf mehr ist für immer neue Werte zur Begleichung immer neuer Schulden und wachsender Zinskurven, dann muß Platz und neuer Bedarf geschaffen werden. Wenn die arbeitenden Menschen zu viele geworen sind und zu viel geschaffen haben, muß getötet und zerstört werden, damit sie wieder neues schaffen können.

Fazit:

Der freie Markt dient nur so lange den Menschen, bis alle alles haben, was sie brauchen.
Danach wird er von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde und wendet sich gegen die Menschen.

Ein Staat dient dem Volkswohl nur so lange, wie das Volk den Staat lenkt.
Wenn der Staat nicht mehr vom Volk gelenkt wird, lenkt der Staat das Volk.

Wenn der Staat als Marktteilnehmer agieren darf, wird das Volk zum Produktionsmittel.

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  1. Jetzt bin ich aber etwas enttäuscht. Ich hab jetzt nicht so richtig rausbekommen gegen was oder für was du hier argumentierst. All die beschriebenen Sachverhalte treten auch bei einer goldgedeckten oder reinen Edelmetallwährung auf. Irgendwann ist alles auf einem großen Haufen.
    Beschäftige dich doch mal mit Geld / Wirtschaftstheorien, die den Zins erklären können und Geld nicht als gegeben voraussetzen.
    Gunnar Heinsohn / Otto Steiger mit „Eigentumsökonomik“ zum Beispiel. Als weitere Quelle sei dir auch der Blog von Fredmund Malik empfohlen blog.malik-management.com genannt (Achtung der Mann hat ein großes Ego).

  2. Tut mir leid für die Enttäuschung. Ich argumentiere nicht für eine goldgedeckte Währung, sondern eher gegen „virtuelles“ Geld, auch genannt Fiat Money. Leere Schneckenhäuser sind auch eine Währung, wenn die Menschen sich darauf einigen, aber keine virtuelle und damit beliebig vermehrbare. Und ich agumentiere gegen den Staat als Marktteilnehmer und Unternehmen, das sollte aus dem Fazit klar hervorgehen.
    Danke aber für die Lesetipps.

  3. Es ist immer schwehr die richtigen Worte zu finden, damit ein n.s.B. (normal sterblicher Bundesbürger) versteht, wie das System Markwirtschaft, Finanzwesen und Staat tickt. Ich finde deinen Artikel bemerkenswert, nachdenklich und anregend als Diskusionsgrundlage für Gespräche mit Politikern. Hier zeigt sich für mich, das es nicht nur Personen in Deutschland gibt die sich durch Handy´s, PC´s, Auto´s und TV verblenden lassen. (Prinzip Zuckerbrot und Peitsche)

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