Archiv für den Monat September 2012

Zitat und Wort des Tages – Absolutistische Demokratie

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Gefunden, als ich nach dem Begriff der „absolutistischen Demokratie“ gesucht habe:

„Es wird nur verwirklicht, was in einem Staat, etwa dem, der die EU nun zu werden beginnt, ohnehin gültig ist. Die Peripherien werden es trotzdem als Diktatur auffassen. Doch tatsächlich ist es eine Art absolutistische Demokratie, die gerade entsteht.
Jürgen Kaube

„Die wechselseitige Verachtung von Volk und Politikern läßt sich kaum noch steigern. … Willkommen in der absolutistischen Demokratie!“
Cora Stephan

Beide liegen meines Erachtens falsch. Eine absolutistische Demokratie haben wir seit der Gleichschaltung von 1934. Die EU strebt nur an, dieses bewährte Konzept des Volksbetrugs zu übernehmen.

Differenzierung fürs Damenkränzchen

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Kommentar: „Sie machen es denen schwerer, die weiter kämpfen.“

Ach, und Sie meinen, für Kämpfen gibt es eine allgemeingültige Definition, nämlich Ihre? ;)

Ich helfe niemandem, wenn ich den Leuten, mit denen ich auf unabsehbare Zeit hier lebe und für die ich da sein will (!), das Gefühl gebe, gegen sie persönlich zu kämpfen und mich als ihre Feindin zu positionieren. Die machen ihre Arbeit da in der Stadtverwaltung nicht für den Staat und nicht nur für das sichere Einkommen, sondern auch, weil sie denken, daß wichtig und richtig ist, was sie da tun. Daß jemand für Ordnung und Sicherheit sorgen muß, und daß es anders als so wie jetzt gar nicht geht.

Für das grundgesetzbeschränkte Damenkränzchen in der Stadtverwaltung bin ich diejenige, die dumm und unverständig ist. Wenn ich ihre Sichtweise aber nicht als ebenso relevant wie meine betrachte, begebe ich mich auf ihr Niveau herab. Meine Sicht ist nicht mehr wert als ihre – aber auch nicht weniger! Die Weltsicht ist eine Frage des Bildungsgrades, des Wissensstandes und der intellektuellen Leistungsfähigkeit, kein Zweifel. All das ist bei mir genauso begrenzt wie bei den Damen in der Stadtverwaltung, nur offensichtlich auf etwas höherer Ebene.

Ich weiß nicht, wo Sie wohnen, Grummel, aber ich wohne in einer Kleinstadt, die größenmäßig eher ein Dorf ist (gut 5000 Seelen plus 4000 in den umliegenden Dörfern). Ich mag die Leute hier, alle, auch die vertrocknete, humorlose wandelnde Zahlenkolonne von Kämmerin, denn sie machen diese Stadt aus. Meine Stadt. Mein Zuhause. Meine Leute. Ohne jedes einzelne dieser Originale wäre die Stadt ärmer. Bis zum letzten Säufer. Die haben alle was auf dem Kasten, was uns anderen nutzen kann. Es muß nur wahrgenommen und anerkannt werden.

Mit meinem Einstellungswandel dem Staat gegenüber haben wir jetzt ein Problem. Das müssen wir lösen. Ein Weg ist Widerstand gegen Machtausübung und damit Eskalation ins immer Extremere und auf der anderen Seite womöglich neurotische Selbsterhöhung durch Machtausübung, bis eine Seite aufgibt. Der in meinen Augen bessere Weg ist die Suche nach dem Gleichgewicht der Interessen. Grundvoraussetzung dafür ist zuallererst die Anerkennung der Gegenseite mit ihren Ansprüchen. Nur darauf läßt sich Kommunikation mit dem Ziel Interessenausgleich aufbauen. Wir müssen uns die dingliche Realität nun mal teilen, da kommen wir nicht drum herum. Wissen ist Verantwortung. Wer den Überblick hat, muß dementsprechend handeln, und nicht blind mit dem Kopf gegen die Wand anrennen, als wenn er genauso wenig Durchblick hätte wie die anderen.

Also: Hauptproblem bei der Kommunikation mit der Stadtverwaltung sind ganz klar Wissensunterschiede und Ausgrenzverhalten. Ich will dem Gemeinwesen ja gar nicht seine Hundesteuer vorenthalten, die gehört hier zu den lokal vereinbarten Regeln des Zusammenlebens, die ich zu akzeptieren habe, wenn ich hier leben will. (Fordern wir das nicht auch immer von “Ausländern”?) Nein, ich verweigere nur dem Staat meine weitere Unterstützung. Der will aber gar keine Hundesteuer von mir, das wird von der Kämmerin nur so verkauft, weil sie denkt, alle Leute denken wie sie, daß nämlich heilig und unantastbar ist, was “der Staat” will.

Meine Stadt ist nicht der Staat, sie ist vom Staat unabhängige, dingliche Realität, mit Häusern, Straßen, Menschen und Tieren. Der Staat sind die Menschen, die für ihn zu handeln bereit sind, aber sie sind nicht ausschließlich Staat. Wenn er weg ist, sind sie immer noch da, wahrscheinlich orientierungslos, aber immer noch real vorhandene Menschen. Sie können das nur nicht trennen, weil sie sich alle mit dem Staat identifizieren. Und sie erwarten dasselbe von mir. Wenn ich den Staat angreife, greife ich ihrem Empfinden nach sie an. Das muß ich akzeptieren, auch wenn ich es für falsch halte. Und ich muß mit entsprechendem Fingerspitzengefühl vorgehen, denn ich will sie nicht unnötig verletzen.

So, das ist jetzt ein halber Roman geworden. Besser, ich pack das in einen gesonderten Blogeintrag, damit sich der Zeitaufwand gelohnt hat.

P.S.: Ich verweise auf meine Überlegungen zu den universellen Naturgesetzen, denen wir alle unterliegen. Menschen, die über die Staatsstruktur organisiert in eine bestimmte Richtung zusammenwirken, stellen eine Naturkraft dar, der ein einzelner Mensch in den meisten Fällen rein aus physikalischen Gründen unterliegen wird. Legitimität ist keine physikalische Größe. 😉

Hundesteueraffäre – Die Lösung

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Ich werde den Betrag der Hundesteuer (die ja keineswegs eine staatliche Auflage ist, sondern eine in freier Entscheidung getroffene Verfügung der örtlichen Stadtverordnetenversammlung – aber selbst  mit dieser Unterscheidung sind die Damen da anscheinend schon maximal überfordert) als Spende für das unabhängig vom Staat real existierende Gemeinwesen meiner Stadt bezahlen. Dann haben die was zum Tabellenfüllen, und ich habe das Geld nicht dem Staat in den Rachen geworfen, sondern der Stadt geschenkt, die Teil meiner Identität ist.

Gemeinwesen

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Ein Gemeinwesen ist ein soziales Gefüge, in dem Menschen und Systeme gemeinsame Merkmale haben und in Interaktion zueinander stehen.
Quelle

Gemeinwesen ist ein Sammelbegriff. Er bezeichnet alle gegenwärtigen und historischen Organisationsformen des menschlichen Zusammenlebens in allgemeiner, öffentlicher Gemeinschaft, die über den Familienverband hinausgehen. …
Quelle

The Sherlock-Feeling

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Glaubt man der fantastischen BBC-Serie, kann Sherlock Holmes es immer nicht fassen, wie unaufmerksam und aus seiner Sicht begriffsstutzig seine „normalen“ Mitmenschen sind.

„Oh, look at you lot. You’re all so vacant. Is it nice not being me? It must be so relaxing.“

„Dear God, what is it like in your funny little brains? It must be so boring!“

„All that matters is my work. Without that, my brain rots.“

Ich bin nicht Sherlock Holmes, nicht einmal ansatzweise, in (fast) keiner Hinsicht. Was mir ähnlich erscheint, ist die unüberwindbare Hürde zwischen denen, die Fragen stellen und Erkenntnis suchen, und denen, die keine Fragen stellen und nicht einmal wissen, wie Erkenntnis sich anfühlt. Bei Sherlock ist es die Hürde zwischen denen (ihm), die extrem genau wahrnehmen und blitzschnelle Schlüsse ziehen, und denen, die durchschnittlich beobachten und mit durchschnittlicher Geschwindigkeit Schlüsse ziehen. Man kann sich über solche trennenden Abgründe hinweg einfach nicht verständlich machen, genausowenig wie man jemandem Empfindungen nahebringen kann, die dieser noch nie auch nur ansatzweise selbst empfunden hat.

Was mich ganz klar mit Sherlock verbindet, ist der Drang nach geistiger (Selbst-)Befriedigung. Sie nutzt scheinbar wenig, außer für vorübergehende Ausgeglichenheit zu sorgen. Ist das Nutzen genug? Für wen?

Kraft schöpfen aus der Geschichte – Das Vermächtnis der Weißen Rose

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Erstes Flugblatt der Weißen Rose. Nach einem Entwurf von Hans Scholl und Alexander Schmorell, Juni 1942.

Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique „regieren“ zu lassen. Ist es nicht so, daß sich jeder ehrliche Deutsche heute seiner Regierung schämt, und wer von uns ahnt das Ausmaß der Schmach, die über uns und unsere Kinder kommen wird, wenn einst der Schleier von unseren Augen gefallen ist und die grauenvolisten und jegliches Maß unendlich überschreitenden Verbrechen ans Tageslicht treten? Wenn das deutsche Volk schon so in seinem tiefsten Wesen korrumpiert und zerfallen ist, daß es, ohne eine Hand zu regen, im leichtsinnigen Vertrauen auf eine fragwürdige Gesetzmäßigkeit der Geschichte das Höchste, das ein Mensch besitzt und das ihn über jede andere Kreatur erhöht, nämlich den freien Willen, preisgibt, die Freiheit des Menschen preisgibt, selbst mit einzugreifen in das Rad der Geschichte und es seiner vernünftigen Entscheidung unterzuordnen wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang. (…) Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt, werden die Boten der rächenden Nemesis unaufhaltsam näher und näher rücken, dann wird auch das letzte Opfer sinnlos in den Rachen des unersättlichen Dämons geworfen sein. Daher muß jeder einzelne seiner Verantwortung als Mitglied der christlichen und abendländischen Kultur bewußt in dieser letzten Stunde sich wehren, soviel er kann, arbeiten wider die Geißel der Menschheit, wider den Faschismus und jedes ihm ähnliche System des absoluten Staates. Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt! (…)

Wir bitten Sie, dieses Blatt mit möglichst vielen Durchschlägen abzuschreiben und weiterzuvertellen!

Inge Scholl: Die Weiße Rose. Erw. Neuausg. Frankfurt a. M. 1982, S. 96-121.

Die hohe Kunst des Lebens

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Das grundlegende Prinzip der Naturgesetze ist das der Kraftwirkung. Die stärkere Kraft überwindet die weniger starke Kraft. Gleichstarke Kräfte neutralisieren einander, heben sich gegenseitig auf. Die hohe Kunst des Lebens besteht darin, das Spiel der Kräfte richtig einzuschätzen und zu nutzen.

Ohne Konfrontation kein Feind, heißt es im Aikido. Dem Angriff wird nicht entgegengetreten, sondern seine Kraft wird umgeleitet. Man nutzt sich selbst, wenn man dem Angriff keinen Widerstand entgegenbringt, sondern seine Bewegung teilweise mitmacht und dann in eine andere Richtung ableitet.

Stell dich nicht der Welle entgegen, sondern reite sie.

Wie reitet man den Staat?

 

Am Kreuzweg

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Mir ist schlecht. Es ist ein surreales Erlebnis, Menschen gegenüber zu stehen, mit denen einen vieles verbinden könnte, die man als Menschen achtet, und dabei das Gefühl einer unüberwindlichen, undurchdringlichen, und doch unsichtbaren Mauer zwischen uns zu haben, die gegenseitiges Einvernehmen absolut unmöglich macht.

Jedes Argumentieren zwecklos, Diskussionen sind nicht gewollt, man hat genug zu tun. Außerdem gibt es ja Anweisungen, wie bei „sowas“ zu verfahren sei. Ungeduld, Unverständnis, Herablassung, dann auch Abweisung und Feindseligkeit. Man lacht über die Information, daß öffentliche Körperschaften auf Zwangsmitgliedschaft beruhen. Die Kämmerin selbst hat das Wort offenbar noch nie gehört und findet es abwegig. Der Staat brauche kein Einverständnis vom Einzelnen. Meine Meinung und Rechtsauffassung könne ich ja gern haben, aber sie sei für ihr Vorgehen nicht relevant.

Auf beiden Seiten wird für gut und richtig befunden, was man diesseits der unsichtbaren Mauer tut, und die Sichtweise der anderen Seite wird als unerhört, falsch und schlecht betrachtet. Keiner will auf die Seite des anderen, weil da das Unrecht ist. Aber eine Seite hat die Möglichkeit, der anderen ihren Willen aufzuzwingen: Pfändung, Gerichtsvollzieher, Erzwingungshaft.

Für 30 EUR Hundesteuer, die einem als staatliche Auflage verkauft wird (was sie gar nicht ist). Und außerhalb findet man ebenso wenig Verständnis. Es bringt doch nur Ärger,  sich zu wehren. Das war doch schon immer so. Was willst du denn machen als „kleiner Mann“? Du machst dich fertig für nichts.

Wer sich gegen die staatliche Autorität stellt, wird ausgegrenzt. Der Staat wird mit dem Gemeinwesen gleichgesetzt. Wer sich vom Staat distanziert, der distanziert sich vom Gemeinwesen, so wird es empfunden. Wer nicht mehr Sklave sein will, verliert die Solidarität der Sklaven.

Das ist die Realität, der man nicht entkommt. Hic Rhodos, hic salta. Der Weg gabelt sich hier. In die eine Richtung geht es hochaufgerichtet in permanenten Streß und das Gefühl von Rücksichtslosigkeit der eigenen Familie gegenüber, in die andere Richtung geht es kriechend direkt in Ohnmacht und Selbsthaß.

Manchmal muß man sich beugen, um stehenbleiben zu können, heißt es.

Aber es heißt auch: Verhältnisse, in denen du die Knie beugen und den Kopf einziehen mußt, um stehenzubleiben, diese Verhältnisse muß du ändern oder verlassen.

Verlassen kann ich sie nicht, oder ich müßte mich entwurzeln, halt- und damit kraftlos machen. Ändern? Ändern kann ich nur, wenn ich nicht ohnmächtig bin. Ohnmächtig bin ich, solange mein Handeln den Menschen schadet, die ich liebe.

Eigentum kann man abschaffen. Menschen, die einen brauchen, nicht. Soll ich hassen, die mich brauchen und damit in die Knie zwingen? Ist es gesund, gebrochen zu werden?

Wie lange kann Liebe auf diese Weise überleben?