Know thy enemy – Warum Recht kein Naturgesetz ist

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Know thy enemy and use his power against him. Erforsche deinen Feind und wende seine Kraft gegen ihn.

Ich habe keine Angst vor Erkenntnissen, die an Tabus rühren. Ich bin gnadenlos ehrlich mit mir selbst, wenn es ums genaue Hinsehen geht, egal wie weh es tut und wie liebgewonnen manche Gewißheiten sind. Beweis:

Wenn ich davon ausgehe, daß für Menschen nur Naturgesetze gelten und alles menschliche Handeln Teil des Waltens der Naturkräfte ist, dann kann es für das Naturwesen Menschen kein naturgegebenes Recht geben, weil Recht nur eine von vielen möglichen Organisationsstrukturen ist, mit welcher die Naturkraft des menschlichen Handelns ausgerichtet werden kann.

Das heißt, es gibt kein Recht außer das, was zwischen Menschen als Recht vereinbart ist. Das heißt auch, es gibt kein Naturrecht. Es gibt nur aufgeschriebenes und nichtaufgeschriebenes Recht, eigenes Recht und fremdes Recht – aber kein Recht kann Naturrecht sein, weil Recht eine moralische Kategorie des menschlichen Bewußtseins ist. Die Natur kennt diese Kategorie nicht, sondern nur Werden, Sein und Vergehen im Streben der Kräfte nach dem Idealzustand des stabilen Gleichgewichts.

Es ist unangenehm, sich das einzugestehen. Weil man ja Mensch und in moralischen Kategorien zu denken gewohnt ist. Aber jedes Recht ist subjektiv. Nur Naturgesetze gelten objektiv. Ich kann mich mit meinem Rechtsempfinden und meinen Freiheitsansprüchen frontal gegen die organisierte Gewalt von Millionen als Staat handelnden und dabei in eine Richtung wirkenden Menschen stellen und einfordern, was ich als mein Recht empfinde. Aber vernünftig ist das nicht.

Was ist vernünftig? Vernünftig ist, was angesichts der Naturgesetze den eigenen Zielen förderlich ist. Man definiere also zuerst seine Ziele, berücksichtige dann die Naturgesetze und entscheide dann so, daß man sich möglichst wenig vom Ziel entfernt.

Wenn mein Ziel darin besteht, für die Meinen dazusein und möglichst viel Schaden von ihnen abzuwenden, ohne mir selbst untreu zu werden, dann setzen die Interessen der Meinen die Richtschnur, was für mich vernünftig sein kann und was nicht.

Wenn das Ziel Handlungsfähig-bleiben heißt, dann stelle man sich weder

– auf offenem Feld gegen den Orkan noch
– im Wasser quer zur heranbrausenden Riesenwelle noch
– am Berg in den Weg einer Lawine.

Klingt das vernünftig? Irgendwie schon, oder?

Bestenfalls reitet man die Kraft, die einem da auf dem Weg entgegenkommt.
Reiten setzt allerdings voraus, daß man in den Sattel oder wenigstens obenauf kommt.
Obenauf kommt man nicht, wenn man sich der Richtung der Kraft, die man reiten will, entgegenstellt.

Manchmal muß man sich beugen, um nicht zu zerbrechen, sagt Kwai Chang-Caine. Original:

If you learn zu bend, you need not break.

Und woanders heißt es:

Your opponent is weakest when he thinks he has won. – Dein Gegner ist am schwächsten, wenn er sich siegreich wähnt.

Wenn man nicht weiß, was einen wie gefangen hält, dann kann man sich auch nicht befreien. Wer seine Fesseln nicht kennt, kann sie nicht lösen. Wenn man weiß, daß sie enger und gefährlicher werden, je mehr man sich gegen sie wehrt, dann suche man nach raffinierteren Wegen, sie loszuwerden.

Objektiv gesehen, ist Recht eine Strukturform der Naturkraft menschliches Handeln.

Wenn staatliches Recht als Grundstruktur organisierter Gewalt die wichtigste Waffe des Staates gegen den Einzelnen ist, dann ist dieses Recht auch die Waffe, mit der allein der Einzelne dem Staat wirksam begegnen kann. Wenn die Kraft in der Struktur liegt, dann nimm diese Struktur an und lenke mit ihr deine Kräfte in die Richtung deiner Ziele. Vom Feind lernen, heißt ihn besiegen lernen.

Sie lasen das Wort zum Sonntag.

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  1. Leider ist der gestrige Artikel zur Anarchie irgentwo im Nirvana verschwunden, sodaß er nicht vollständig lesbar erschien.

  2. Den habe ich wieder offline genommen, weil er meinem Empfinden nach nicht fundiert und durchdacht genug war. Vielleicht nehme ich mir das Thema nochmal vor.

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