Kausalistische Welterklärung

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Dieser Text von Taurec im Gelben Forum ist zu gut, um ihn nicht weiterzuverbreiten, was ich hiermit tue:

Ich kann mich nur wiederholen, wohl wissend, daß ich nicht verstanden werde:

Es ist ein Fehler, die Welt und insbesondere menschliche Gesellschaften als etwas zu begreifen, das vom Menschen entworfen und in seiner Richtung beeinflußt werden kann.

An der historischen Oberfläche konstruieren sich die Menschen Gesellschaftstheorien, Pläne und Systeme, die sie mehr oder minder erfolgreich durchsetzen.
Im Wesentlichen folgt die Geschichte aber einer ganz anderen Logik, nämlich einer schicksalhaften. Nach dieser Logik geht die gewachsene Kultur in die Zivilisation über als deren von Aasfressern belagerter und madendurchzogener Verwesungszustand. Die Vertreter der Zivilisation strengen sich hauptsächlich darin an, alle Reste naturgemäßer Ordnung zu zerstören, die sie als etwas überwundenes Falsches verachten. Sie leben von der Substanz ihrer Vorfahren und können aus sich heraus nichts Lebendiges erschaffen, weswegen die Zivilisation zusammenbrechen muß, wenn das Zerstörungswerk vollbracht ist. Der letzte Akt der Zivilisation dürfte überhaupt in ihrer Selbstvernichtung liegen, gleich was sich die Handelnden einbilden, daß sie eigentlich täten.
Daß es in dieser Welt Gruppen gibt, die Kontrolle in Form einer toten, maschinellen Organisation anstreben, läßt sich nicht abstreiten. Im Sinne der schicksalhaften Logik sind sie indes nur ausführende Kräfte, die ganz anderes befördern, als sie selbst im Sinn haben. Sie unterliegen der Illusion auf geradem Wege ein sichtbares Endziel zu erreichen, das doch nur der ferne, unerreichbare Horizont ist, dem sie immerfort zustreben, während sie mit ihren Schritten das Rad des Lebens, auf dem auch der Tod einen Abschnitt hat, unter ihren Füßen antreiben.
Daher leugne ich Verschwörungen nicht, sondern finde sie ganz und gar unwichtig.

Man beachte zudem, was ich zur Friktion schrieb. Der Zivilisationsmensch, der zunehmend zum seelischen Krüppel wird (womit ich niemand bestimmten anspreche), kann nur noch kausal denken. Weil er der Fähigkeit zur Empfindung des Naturzustandes (eben das den Gesetzen der Schöpfung gemäße Leben), der keine Ursache hat, sondern einfach da ist und, sofern erkannt, gelebt werden würde, verlustig gegangen ist, sucht er nach äußeren Gründen für seine erbärmliche Lage. Was an der historischen Oberfläche geschieht, hätte auch völlig anders aussehen können, ohne daß die tiefer liegende Tendenz davon berührt wäre. Rückblickend wird jedoch die ganze Geschichte unter kausalen Gesichtspunkten umgedeutet. Dabei ist gleichgültig, in welche zufälligen Lagen wir durch Friktion gelangen. Den kausalen Zusammenhang konstruiert man sich einfach. Weil man selbst nur noch in Plänen denken kann, vermutet man einen Plan, der zur Zerstörung der Welt geführt hat. Die plattesten Exemplare verfolgen sogar kleine Ereignisse auf Absichten der Hintermänner zurück. Unverständlich ist ihnen die natürliche Notwendigkeit unserer Epoche als eine Zwischenzeit, die den Humus bildet für den Aufstieg eines neuen Lebens – eine Epoche der niemals hätte ausgewichen werden können!

Dem entspricht der Glaube, die Welt könnte in Ordnung sein, wenn man nur frühzeitig anders geplant hätte und daß die richtigen Planer an der Macht auch heute noch etwas zum besseren verändern könnten. Tatsächlich handelt es sich jedoch nur um das dialektische Gegenstück im Zivilisationsprozeß, dessen Wechselspiel der Revolutionen wie ein Verdauungsapparat die Auflösung vorantreibt. Jeder glaubt, es besser machen zu können als die Vorgänger, deren Fehler eingedenk, die man erkannt zu haben glaubt. Daß man selbst Teil des Problems ist, merkt man freilich nicht.

> ansonsten würde auch er nicht mehr von „Verschwörungstheorien“ sprechen.

Was in diesem Bereich fleucht, ist in der Regel derart billig konstruiert und gefälscht, daß man tatsächlich nur von „Theorien“ sprechen kann. Die Existenz tatsächlicher Verschwörungen ist damit nicht geleugnet. Ich selbst gehe von einer angestrebten neuen Weltordnung aus, überschätze aber deren Relevanz und Potential zur Dauer nicht.
Die Aussage „Absolute Dominanz über den Planeten auszuüben — für immer“ ist der geschichtlichen Erfahrung und der Natur widersprechender Unsinn.

Gruß
Taurec

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