Erstaunlich

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Es ist schon erstaunlich, wie oft die Leute sachliche nicht von persönlicher Kritik unterscheiden können.

Hatte ein Formular auszufüllen und zu unterschreiben, das wohl von der Sekretärin erstellt worden war. Ich hatte „Name“ gewohnheitsmäßig handschriftlich mit „Familien-“ vervollständigt.

Sie freundlich: „Das hätten Sie nicht zu ändern brauchen.“
Ich, freundlich erklärend: „Sachen haben Namen, Menschen haben Familiennamen.“
Sie, voller Autorität: „Die Verkürzung auf ‚Name‘ ist aber so üblich.“
Ich, freundlich: „Das kann schon sein, aber davon wird es nicht richtig.“
Sie, schnippisch und nur noch mühsam aufgesetzt-freundlich: „Das dürfen Sie mir schon glauben, daß das so in Ordnung ist! Ein schönes Wochenende!“
Und sie verschwand in ihrem Büro, beinahe hätte sie die Tür zuknallt.

Erst einige Minuten später dämmerte mir, daß sie sich wohl persönlich angegriffen fühlte von meiner vermeintlich besserwisserisch-pedantischen Kritik. Dabei wollte ich nur nichts mit meiner Unterschrift als richtig beglaubigen, von dem ich weiß, daß es juristische Bedeutung hat und eben nicht richtig ist. Sie muß dieses Formular ja nicht unterschreiben, und sie weiß nichts von der juristischen Bedeutung.

Herrje, da werd ich wohl in einen Strauß Frühlingstulpen investieren und gucken, ob ich dieses Mißverständnis noch aufklären kann. Aber wer auf Berichtigung derart empfindlich reagiert, der hat vermutlich auch kein Ohr für Relativierungsversuche. Den Versuch ist es aber wert …

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  1. WO in diesem verblödeten Land ist das denn nicht so?
    Ich fange mittlerweile jegliches Gespräch welches mit Kitik zu tun hat, für diese Fehlidentifizierten mit folgenden Worten an: Bitte nehmen Sie nix persönlich. Keines meiner Wörter richtet sich an Ihre Person, sondern ausschliesslich an Ihren Arbeitgeber!
    Was soll ich sagen, bis auf die Telekomik wo im Zweiffelsfall weiterhin einfach aufgelegt wird (aber das kennt man ja schon und ist es leider schon gewohnt), klappt es und führt nur noch selten zu solch einer kindhaften Reaktion, wie von Dir geschildert.
    Schenk die Blumen lieber Deiner Mutter zu Ostern 😉
    Primaten die im „Programm-Ich“ gefangen sind, neigen dazu den Unterschied vielleicht verstehen zu können, aber trotzdem wird es nicht vergessen.

  2. Tja, die Herrenmenschen der Behörden haben es halt nicht gern, wenn man sie von ihrem Thron der Unfehlbarkeit schubst, und/oder als das indentifiziert, was sie sind. Public servants!

  3. Das war die Sekretärin einer nicht-staatlichen Schule. Und sie ist sonst eine superfreundliche, sympathisch-individuelle Frau, deswegen war ich so überrascht von ihrer Reaktion und hatte eine lange Leitung, bis ich den Grund dafür begriff. Ich hatte absolut nicht erwartet, daß sie mit meinen Ergänzungen ein Problem haben könnte. Nix Herrenmenschen-Gehabe. 🙂

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