Mißbrauchte Ideale

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„Wird dieser Vertrag wirklich unterschrieben, so ist es nicht Deutschlands Leiche allein, die auf dem Schlachtfelde von Versailles liegen bleibt, dabei werden als ebenso edle Leichen liegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Unabhängigkeit freier Nationen, der Glaube an all die schönen Ideale, unter deren Banner der Verband zu fechten vorgab, und vor allem der Glaube an die Vertragstreue! Eine Verwilderung der sittlichen und moralischen Begriffe ohnegleichen, das wäre die Folge eines solchen Vertrages von Versailles, das Signal für den Anbruch einer Zeit, in der wieder – wie vier Jahre lang, nur heimtückischer, grausamer, feiger – die Nation das mörderische Opfer der Nationen, der Mensch des Menschen Wolf wäre.“

http://www.deutschlanddokumente.de/vvtScheidemann1919vollst.php

Wie recht er gehabt hat, der Herr Scheidemann, damals im Jahre 1919. Auf die Fahnen schreibt man sich hehre Ideale und redet von (Menschen-/Völker-)Recht und Gerechtigkeit, von Freiheit, Wohlstand und Frieden, und versklavt unter diesem Banner ein Volk nach dem anderen. Woodrow Wilson forderte damals: „Der erste Grundsatz des Friedens selbst ist Gleichheit und gleiche Teilnahme an gemeinsamen Vorteilen.“ Währenddessen handelte der Völkerbund, Vorgängerorganisation der heutigen UNO, Deutschland gegenüber genau gegenteilig.

„1919, wenige Monate nach Ende des Ersten Weltkriegs, findet sich dazu in der angesehenen britischen Tageszeitung „TIMES“ folgende, verblüffend ehrliche Notiz: „Wenn Deutschland in den nächsten 50 Jahren wieder Handel zu treiben beginnt, ist dieser Krieg umsonst geführt worden .“

http://www.vorkriegsgeschichte.de/content/view/12/26/

Das war das vorrangige Ziel des 1. Weltkriegs – den überlegenen Wirtschaftskonkurrenten Deutschland auf so ziemlich dem einzigen Gebiet vernichtend zu schlagen, auf dem er nicht überlegen war: dem skrupellosen Einsatz militärischer Gewalt. Scheidemann hat recht. Seit dem I. Weltkrieg ist das Ideal einer friedlichen, fair miteinander umgehenden Völkergemeinschaft erledigt. Seitdem wird mit finanztechnischer und militärischer Gewalt geraubt und geplündert, wie es in den Kram paßt – und den friedliebenden Menschen dabei eingeredet, Gewalt sei friedenbringend, Versklavung sei Befreiung und himmelschreiendes Unrecht Recht.

Dann hat der gute Kairo recht, wenn er sagt, im Völkerrecht gehe es nicht nach Legitimität, sondern nach Effektivität. Und dann habe ich recht, wenn ich antworte, Völkerrecht sei dann wie eine Champagnerflasche voller Urin. Schöner Schein, abstoßender Inhalt. Wenn nur Effektivität Recht schafft, dann schafft Gewalt Recht. Dann ist Völkerrecht nur ein mißbrauchtes Ideal.

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  1. Das Völkerrecht
    (also die 12 Haager Friedensabkommen von 1907, empfohlene Lektüre dazu die –
    bitte über die Suchmaschine laufen lassen – sechs internationalen Rechtsebenen.pdf)
    an sich ist nicht das Problem, sondern seine Durchsetzung.

    Man kann mit jemndem, der Verträge nicht hält, eigentlich keine solchen schließen.
    Die Tatsache, daß es „blauäugige“ (sic!) Parteien gibt, die etwas anderes erwarten,
    setzt jene ohne moralische Bedenken in Vorteil.

    Deshalb hatte sogar die Deutsche Bank recht, als sie in ihrem Werbespot formulierte:
    „Vertrauen ist der Anfang von allem.“
    Auch vom Ende, möchte ich hinzufügen.

    Ein berühmter Redner hat dazu mal gesagt, daß „eine Garantie des Deutschen Reiches
    selbstverständlich eine Garantie“ sei. „Wir sind weder Briten noch Juden“ sagte er weiter.
    (Sie werden sicher wissen, wer der Redner war.)

    Also was tun, wenn dein Ansprech-„Partner“ nicht vertrauenswürdig ist?
    Tatsachen schaffen? Mit Gewalt? Eher nicht. Auch wenn wir aus der Geschichte
    bisher höchstens eines gelernt haben: daß wir aus der Geschichte nichts gelernt haben.

    Derzeit scheint sich in den Staaten der „Militärschlag für Menschlichkeit in Syrien“ abzubilden.
    Vielleicht lernt die Welt daraus ihre drei wichtigsten Lektionen auf einmal.

    1. Es gibt immer einen „fünften Reiter“ (Strippenzieher im Hintergrund, vgl. den sehenswerten Film „die Unfaßbaren“)

    2. Was einer sagt, ist nur wichtig, wenn man ihm vertrauen kann.

    3. Wir brauchen keine neue Weltordnung, sondern nur eine neue We r tordnung.

    Wie entkräftet man Systeme wie das jetzige, allerdings ohne sich selbst zu verraten,
    indem man soweit herabsänke, deren Methoden zu benutzen?

    Vielleicht hilft es, zu beleuchten, wovor die Nutznießer die größte Angst haben.
    Nicht vor Aufständen, Unruhen, Demos und ähnlichem Unfug – darauf sind sie
    vorbereitet, und zwar besser als du und ich.

    Sie haben Angst vor unserer Feststellung, daß wir sie nicht brauchen.
    Daß sie keine Macht über uns haben, weil wir ihnen diese nicht einräumen.

    Daß wir feststellen, daß wir frei SIND und nicht erst werden müssen.

    Drei Freiheiten gibt es, die wir UNBEDINGT brauchen:

    a. Freiheit von Angst

    b. Freiheit von Not

    c. Freihgeit von Leid

    Und um jeweils, vorgeblich, die eine Freiheit zu erlangen, beschneiden wir die beiden anderen SELBST. Ein endloser Kreislauf, der auf UNSERER ZUSTIMMUNG basiert.

    Wie viele Menschen in der BRD haben sich in den letzten zehn Jahren gefragt, woher sie
    „einen gültigen Ausweis“ bekommen sollen, der sie „von der BRD befreit“ – wo doch jede Rechtsnorm ungültig gestellt wurde?

    Ein Ausweis kann das nicht leisten. Ihr müsst das selbst tun. Jeder einzelne.

  2. Meine Rede.

    Den nicht genannten Redner kenne ich übrigens nicht. ^^ Die Kugel spuckt zu „Wir sind weder Briten noch Juden“ nicht ein einziges Ergebnis aus … 😉

  3. Es war eine sehr lange Rede, und sie wurde 1941 wegen eines Telegramms gehalten,
    welches vor dem Empfänger bereits etliche andere zu lesen bekamen.
    Na, klingelt’s?

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