Der ideale Staat

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Wieder mal eine ausführliche Antwort, die ich lieber auch in einen Blogeintrag packe, weil es z.T. auch für mich neu ausformulierte Einsichten sind:

Staat ist immer Gewalt. Staat ist immer Abgabenzwang. Staat endet früher oder später immer in Terror und Diktatur. Und zwar auf Grund von universellen Naturgesetzen:

1. Alles, was existiert, hat ein Interesse daran, sich zu erhalten und zu wachsen.
2. Alles, was einmal existiert, muß wieder in die Nichtexistenz verschwinden.
3. Nichts, was existiert, will zurück in die Nichtexistenz verschwinden und wehrt sich deshalb mit allen Mitteln dagegen, wenn es kann.

Auch ein Staatswesen.

Staat bedeutet immer Trennung der Gemeinschaft in mindestens 2 Gruppen: diejenigen, die Macht ausüben, und diejenigen, die Machtausübung ertragen müssen. Es ist keine hierarchiefreie Gemeinschaft von Gleichberechtigten mehr, sondern eine hierarchische Gesellschaft.

Das Dilemma ist: Sobald irgendwo auch nur eine Gesellschaft mit Staatsstrukturen existiert, werden deren Machthaber ihre Macht früher oder später ausdehnen wollen. Gegen staatliche Strukturen helfen dann nur eigene, gleichstarke staatliche Strukturen, weil der expandierende Staat seinen Nachbarn sonst gewaltsam die Lebensgrundlage entziehen wird.

Alle Kulturen, die seßhaft Landwirtschaft betreiben, entwickeln nach und nach staatliche Strukturen, wie es scheint. Irgendjemand fängt immer irgendwann an, sich die Vorräte anzueignen und jene, die darauf angewiesen sind, zu Gehorsam zu erpressen. Aber auch viele nomadisierende Viehhirten lebten in staatlichen Gesellschaften, z.B. viele Indogermanen. Die alten Slawen sind ein schönes Beispiel für eine indogermanische Kultur, die in ihren dörflichen Gemeinschaften weder Eigentum noch Befehlshaber kannten, und daher den sie bedrängenden nomadisierenden Hirtenstaaten keine ähnlich starken Strukturen entgegenzusetzen hatten. Sie wurden folgerichtig systematisch versklavt. Oder die letzten uralischen Rentierzüchter heute. Wer einmal gesehen hat, wie sie riesige Flächen ihrer angestammten Gebiete für ein paar Motorschlitten und ähnliche Peanuts an Öl- und Gasbarone à la Chodorkowski eintauschen und dann fassungslos zusehen, was mit ihrem Land passiert – das meine ich. Strukturelle Chancenlosigkeit.

Stammesstrukturen können Staatsstrukturen nicht lange widerstehen. Das liegt an den unterschiedlichen Sichtweisen zur Frage, was gut und richtig ist. Gewalt siegt zunächst immer über Friedfertigkeit, hat aber keinen langen Bestand, weil Zwang eben wirklich auf Dauer extrem ineffektiv, da unproduktiv ist. Friedfertigkeit hat sehr, sehr langen Bestand, wenn sie nicht gestört wird. Siehe die australischen Aborigines, die sich über anscheinend mehr als hunderttausend Jahre ihre aus Afrika mitgenommene friedliche Kultur bewahrt haben.

Nein, in einer Welt voller Staaten braucht man leider einen wehrhaften Staat, um seine Existenz zu sichern. Und ein Staat ist leider umso wehrhafter, je größer der Entscheidungsspielraum, also die Macht seiner Führung ist. Stämme wie bei den Prärieindianern und Germanen hatten da schon ein ganz gutes System: Friedenshäuptling und Kriegshäuptling. Die ganze Gesellschaft muß nur darauf achten, daß Gewalt intern keine Chance hat. Sobald Gewalt und Unrecht auch nur einen Fußbreit Boden machen, indem sie von der Gesellschaft hingenommen werden, ist es aus.

Eine ideale Gemeinschaft und auch ein idealer Staat müßte sein wie ein idealer Mensch: friedfertig und gerecht, aber wehrhaft gegen interne oder externe Angriffe auf ihre Interessen.

Das deutsche Kaiserreich war/ist in der Hinsicht wirklich nicht das schlechteste Modell, denke ich.

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  1. Nach meinem Verständnis gibt es kein Equilibrium. Gewalt löst bei Friedfertigkeit immer Gewalt aus.
    Wenn du die Energie von Gewalt absorbierst mußt du diese irgendwann wieder losweredn. Ich sehe da kein Equilibrium das in eine Friedfertigkeit führt. Das ist unlogisch, und das beobachte ich auch nicht.

  2. Ich verstehe wieder deine Formulierungen nicht. Gewalt löst bei Friedfertigkeit immer Gewalt aus. Hä? Wo löst sie Gewalt aus? Und wo ist in meinem Text von Gleichgewicht (Equilibrium) die Rede? Oder meinst du das Gleichgewicht der Kräfte, wenn sich gleich starke Staaten gegenüberstehen?

  3. Du redest doch von Naturgesetzen, die immer bestrebt sind ein Equilibrium zu finden. So wie ich das verstenden habe.

    Ein friedfertiger Mensch der Gewalt zu spüren kriegt, bleibt nicht lange friedfertig, weil er die Energie aus der Gewalt nicht absorbieren kann sondern wieder los werden muß.

    Aber is auch wurscht, weil das is ja nur ein kleines Detail in deinem Artikel.

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