Cäsarismus der Finanzoligarchie?

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[Oswald] Spengler prophezeit, dass Wissenschaft und Technik nur solange aufrecht erhalten, weiterentwickelt und von Nutzen sein werden, solange es Menschen gibt, die ihre Funktionsweise verstehen. Nimmt die Zahl dieser Menschen allmählich ab – wie es die von ihm [bereits Anfang des 20. Jahrhunderts! freewomanontheland] in Aussicht gestellte zunehmende Kinderlosigkeit der Zivilisationsmenschen zwangsläufig mit sich bringen wird – so wird auch die von ihnen aufrecht erhaltene Technik irgendwann verschwunden sein.

Je mehr also die Wissenschaft ihren Sinn für die Menschen verliert, desto mehr verfällt jene Kulturseele wieder einem ursprünglichen Glauben, wie sie ihn ganz zu Beginn hatte. Die zweite Religiosität ist der ersten sehr ähnlich, nur dass sie diesmal nicht die Geburt, sondern den Tod einer Hochkultur bedeutet.

Das besondere dieser zweiten Religiosität ist ihre Massenwirkung bzw. die Tatsache, dass sie von unten kommt. Die Massen beginnen wieder zu glauben, zu beten. Die zweite Religiosität manifestiert sich in der Form von zahlreichen Sekten und Kulten [z.B. Neuheidentum?] , die immer mehr Zulauf finden, und der Verbreitung von esoterischen Moden.

Demokratie ist für Spengler eine bloße Theorie, die darüber hinweg täuscht, dass es in ihr ein anderes Mittel gibt, dass darüber entscheidet, wer wirklich die Macht hat – denn das Volk hat sie sicher nicht. Dieses Mittel ist das Geld. Geld als ein von Gütern abgelöster Begriff ist ein weiteres Symptom einer niedergehenden Kulturseele. Jede ausgehende Zivilisation ist eine Diktatur des Geldes, jenem Wert, dem sich jetzt alles unterwirft. Geld bedeutet für Spengler den entscheidenden und einzigen echten Machtfaktor in jeder Demokratie.

Im Hintergrund entwickelt sich noch etwas anderes: Hinter den Parteien, welche die Fassade von der Selbstbestimmung des Volkes aufrecht erhalten, verlagert sich die wahre Macht längst in immer privatere Kreise. Die Parteien selbst lösen sich langsam und zunächst unbemerkt in persönliche Gefolgschaften auf. Sie sind nur noch scheinbar Mittelpunkt der entscheidenden Aktionen, die nach unten die Illusion einer Selbstbestimmung des Volkes aufrecht erhalten.

Was nun erscheint, ist der Cäsarismus. Es ist jene Regierungsart, welche trotz aller staatsrechtlichen Formen in ihrem inneren Wesen wieder gänzlich formlos ist. Es ist die Herrschaft eines Einzelnen oder einer Gruppe, welche die Macht in Händen halten, während der Bevölkerung weiterhin Demokratie suggeriert wird. Alle gesellschaftlichen Institutionen sind – trotz ihrer außenwirksamen Beibehaltung – letztendlich ohne Sinn und Gewicht. Bedeutung hat nur die ganz persönliche Gewalt, welche der Cäsar oder an seiner Stelle irgend jemand durch seine Fähigkeiten ausübt.

Der Cäsarismus beendet die Diktatur des Geldes und gleichzeitig die Demokratie. [Das spricht dagegen, daß wir bereits Cäsarismus haben. Und auch dagegen, daß die jetzige Finanzoligarchie die Cäsar-Funktion ausüben wird, denn ihre Macht beruht ja auf Gelddiktatur.] Es ist ebenso die Rückkehr einer jeden Kultur ins Geschichtslose.

Aber der Cäsarismus hat noch eine andere Dimension; denn mit ihm ist der Eintritt in das von Spengler sogenannte Zeitalter der Riesenkämpfe vollzogen, in dem die Zahl der Staaten auf einige wenige Großmächte geschrumpft ist, die sich eine dichte Folge von ungeheuren Kriegen und Revolutionen liefern. Angeführt werden all diese Kriege und Revolutionen von Einzelführern, jenen Cäsaren, und dienen dem rein persönlichen Machtstreben.

Was folgen wird, prophezeit Spengler, ist die typische Geschichte einer ausgereiften Zivilisation, in welcher einzelne Völker um die militärische Vorherrschaft ringen werden. Dass gerade in dieser Zeit die Vorstellungen von Weltfrieden und Völkerversöhnung aufkeimen, ist laut Spengler kein Widerspruch. Denn die Abkehr der großen Mehrheit vom Krieg impliziert aber auch die uneingestandene Bereitschaft, die Beute der anderen zu werden, die nicht auf das Mittel des Krieges verzichten wollen. So erklärt es sich, dass die großen Kulturen in ihrem Endstadium nicht selten zum Opfer von immer wechselnden Fremdherrschaften [!] wurden.

Der kultivierte Mensch richtet seine Energie nach innen, der zivilisierte nach außen. Doch es sind erstarrte Imperien, deren innere Kraft längst erloschen ist und die ihre Macht höchstens aus einer rein militärischen Überlegenheit ableiten [USA] . Im Inneren zerfallen sie langsam aber sicher, was sich … [an] der Rückkehr der Bevölkerung zu alten Mythen und Religionen, der Kinderlosigkeit und ähnlichen Symptomen offenbart.“

Quelle

Fazit: Demokratie ist nur das Feigenblatt der Geldherrschaft. Und Verzicht auf Kriegsbereitschaft (was Friedfertigkeit nicht ausschließt!) bedeutet Selbstopferung.

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Eine Antwort »

  1. Landläufig auch als „Untergang des Abendlandes“ bekannt.
    Das passende Conrebbi-Video dazu:

    „…So erklärt es sich, dass die großen Kulturen in ihrem Endstadium nicht selten zum Opfer von immer wechselnden Fremdherrschaften [!] wurden….“

    …und wir sind live dabei! )))

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