Die Pflicht des Türstehers

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Der sinnlichen Welt verhaftet zu sein, bedeutet nicht, oberflächlich oder wenig intelligent zu sein. Sich an unmittelbaren Lebensnotwendigkeiten und Sinneseindrücken zu orientieren, ist die hohe Kunst des Menschseins. Alles andere ist … Bauernfängerei. Das Wort hat plötzlich eine ganz neue Bedeutung für mich.

Die Welt der Ideen ist eine Scheinwelt voller Fallen aus Worten und Definitionen, um den Menschen dazu zu bewegen, sein Leben nach anderer Leute Willen zu gestalten und zu verwenden. Die Welt der Ideen braucht den Menschen, um überhaupt Eintritt in die Welt der Dinge zu bekommen. Ohne den Menschen bleiben Ideen ausgeschlossen aus diesem Experimentierparadies namens materielle Welt.

Die Herausforderung besteht darin, nur die Ideen hereinzulassen, die alle Menschen beim Menschsein unterstützen. Momentan ist das Gegenteil der Fall. Es schon so weit, daß die Ideen nur noch solche Menschen im Experimentierparadies spielen lassen wollen, die auf eigene Manuskripte verzichten. Wir erleben die Herrschaft der Idee über die Welt der Dinge, weil der Mensch als vernunftbegabter Türsteher entmachtet wurde. Der Türsteher dient nur noch zum Türaufhalten.

Je mehr Menschen sich als Rollenspieler in den Dienst von Ideen stellen und mit ihrem Leben anderer Leute Manuskripte aufführen, anstatt ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu nutzen, desto weniger Raum gibt es für Menschen, die ihr eigenes Manuskript schreiben und aufführen wollen. Am Ende darf überhaupt nur leben, wer bereitwillig die Rollen spielt, für die er von anderen vorgesehen ist. Wer selbst bestimmen will, was er tut und läßt, der wird dann des Spielplatzes verwiesen.

Der Mensch ist Mensch durch seine Willenskraft. Er entscheidet, welche Ideen durch seine Mithilfe in der Welt der Dinge Gestalt annehmen. Verweigert er die Entscheidung, verweigert er sich seinem Daseinszweck. Er soll bloß nicht denken, er würde durch diese Weigerung auch von seiner Verantwortung befreit. Wenn er ein Feuer löschen und Leben retten könnte, es aber nicht tut, weil ihn keiner dazu beauftragt oder es ihm sogar jemand verboten hat, dann ist er genauso schuldig, als hätte er aus ureigener Entscheidung tatenlos zugesehen.

Der Mensch trifft ständig Entscheidungen. Er entscheidet, was er tut, und er entscheidet,was er nicht tut. In jedem Fall hat er die volle Verantwortung. Angst und Schwäche sind keine Entschuldigung. Alle Wirkung, die von seinem Dasein direkt oder indirekt ausgeht, geht auf sein Ergebniskonto, positiv wie negativ, mehrend oder mindernd.

Aus dem Weg. Ich bin Mensch, um zu tun, was ich für gut und richtig halte, und um zu sehen, ob gut und richtig ist, was ich für gut und richtig hielt. Und ich übernehme nicht fremder Leute Verantwortung,indem ich für sie tue, was sie für gut und richtig halten.

Ich bin Türsteher für Mutter Erde und ihre Geschöpfe. Das ist mein Leben, meine Pflicht – und mein Recht. Weil ich Mensch bin.

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Nachtrag: Damit bin ich wieder da, wo ich vor ziemlich genau zwei Jahren angefangen habe mit Nachdenken und Recherchieren, nämlich am 27.01.2012 mit der Formulierung der folgenden Gedanken:

„Von der materiellen Welt in die immaterielle Welt und zurück kommt man nur über den menschlichen Körper als „gateway“, als Tür, als Durchgang, als Schleuse. Der Mensch ist der Brunnen im Märchen „Frau Holle“, jene Stelle in der körperlichen Welt, an der man in die unzähligen unsichtbaren anderen Welten gelangt, wenn man es wagt, hindurchzugehen. Der Mensch ist das „Gerät“, das Vehikel, mit dem körperlose Ideen, Konzepte, theoretisches Möglichkeiten in die körperliche Welt getragen werden und dort durch das Handeln des Menschen eine körperliche Form bekommen und ausgetestet werden können. Wenn kein Mensch da ist, gibt es keine Verbindung zwischen der Welt der Ideen, dem Bewusstsein, der Theorie, und der Welt des Handelns, der Körper, der Praxis. Ideen für sich genommen sind unfruchtbar, ohne Schöpfungsmacht, und körperliches Handeln für sich allein ebenfalls. Im Menschen kommen sie zusammen und haben die Chance, sich ineinander zu manifestieren, durcheinander sichtbar und aktiv zu werden und ihre Möglichkeiten auszuprobieren.“

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor … Nein, ein bißchen klüger bin ich schon. Ich kenne jetzt die Verantwortung, die das Menschsein mit sich bringt. Wir sind Tür und Wächter in Personalunion. Jeder Mensch eine Tür in die materielle Welt. Und jeder Mensch verantwortlich dafür, was durch ihn in die materielle Welt gelangt, um sich dort auszutoben.

Gibt es etwas Gefährlicheres als einen pflichtvergessenen Wächter?

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  1. Die Pflicht des Türstehers!

    Untertitel: Türsteher und Firewall!

    Nur kurz aus dem Tsatsiki: Wäre es nicht wünschenswert, eine Türe haben zu können, so groß, wie ein Scheunentor oder ein mittelalterliches Burgtor, so dass sich jeder ungehindert rein bequemen kann, nicht rein zwängen muss, vom Grunde her? Bei Firewall und Scheunentor, was assoziiert der Mensch da?

    Nein, eine Firewall macht es eng und hinderlich, wie im Fall der Werbung von einer Softwarefirma:

    „da hindurch kam der Verbrecher (sagt der Polizist und deutet auf den Telefonanschluss“) … um dann spöttisch hinzu zu bemerken „muss wohl ein Kleinkrimineller gewesen sein“.

    Okay, was lernen wir da: die Gefahr kann substanziell klein sein und ist gerade deshalb so groß!

    Wieviel Nähe ….zum gesprochenen Wort! Wie oft verletzt es oder setzt Akzente, die verwirren, weil ich es anders meinte.

    „Semantik ist Wortbedeutung im Kontext“, das klingt so elend wichtig und doch, eines wurde mir klar, da im geschriebenen Text für den Leser MEINE BETONUNG fehlt, kommt es hier besonders darauf an, dass ich die Worte wähle, die Fragen beantworten oder richtig stellen!

    Als Türsteher zu fragen: wer bist Du, warum willst Du herein, das ist rein formal eine zugige Position.

    Wer sich Worten stellt, muss ich also warm anziehen, weil viel Wortmüll herum gereicht wird.

    Irgendwo stand aber mal, dass das WORT der LOGOS ist und daher denke ich, wenn man das versteht, geht es dem „Wort“, wie dem Brotmesser: es weiß nicht wer es wie und wann und warum missbraucht! Das Messer wollte nur einen Schnitte runtersschneiden und nun…

    @“Wir sind Tür und Wächter in Personalunion. Jeder Mensch eine Tür in die materielle Welt. Und jeder Mensch verantwortlich dafür, was durch ihn in die materielle Welt gelangt, um sich dort auszutoben.“

    Da stimme ich einfach zu. Absolut!

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