Im selben Boot?

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Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders setzen. Dieser Spruch von Aristoteles ist wohl überliefert.

Das ist ein guter Spruch. Stellt sich nur die Frage, in welchem Schiff man sitzt und ob man drinnen sitzen bleiben muß? Und ob man gezwungen werden kann, drinnen sitzen zu bleiben?

Jeder Mensch ist ein Schiff. Vom Einzelnen über Gemeinschaften aller Größen bis hin zur gesamten Menschheit. Aus dem Menschheitsschiff kommen wir nicht raus, nur über den Tod. Das Schiff, in dem wir unbedingt drinnen bleiben müssen, ist das einer örtlichen und regionalen Gemeinschaft. Denn das ist das Überlebensschiff, der unverzichtbare Boden unter den Füßen, der Kraft und Aktion vervielfacht.

Was zählt auf dem Schiff? Zählt, wer etwas warum tut? Nein, es zählt nur, was getan wird und welche Wirkung es hat.

Hat man das Recht, etwas anderes zu tun als die anderen? Unbedingt. Solange man nicht etwas tut, das effektiv das gemeinsame Überleben gefährdet.

Was gefährdet effektiv das gemeinsame Überleben? Ein schlechtes Verhältnis zwischen den Besatzungsmitgliedern. Gegenseitige Achtung und allgemeines Wohlwollen fördern effektiv das gemeinsame Überleben. Dafür stehe man auf seinem Schiff.

Wie aber verhält man sich am besten, wenn Kapitän und Mannschaft in die falsche Richtung segeln wollen, weil sie es nicht besser wissen und auch nicht wissen wollen? Bemächtigt man sich mit Gewalt des Steuers? Macht man sich mit einem Rettungsboot davon? Fertigt man ein besseres Segel an und wartet auf den Moment, wenn die Mannschaft verzweifelt genug ist, etwas Neues auszuprobieren? Was, wenn dieser Moment zu spät kommt? Gibt man dem Kapitän kluge Ratschläge, die er nicht hören will?

Wenn niemand hören will und man sich nicht den tragischen Folgen des kolletiven Irrtums ausliefern will, bleibt nur, das Schiff zu übernehmen oder zu verlassen.

Was, wenn man gewaltsam daran gehindert wird, das Schiff zu verlassen, und keiner sich einem anschließt? Weigert man sich dann wenigstens, irrige Befehle auszuführen? Streik? Schwingt man große Reden, um die Mannschaft von der Falschheit ihres Tuns zu überzeugen? Schweigt man in Verweigerung, bis man gefragt wird?

Es bleibt dabei: Gandhi ist der Weg. Offen und aufrecht seine Meinung und seinen Willen kundtun und gewaltfrei nur bei Handlungen mitmachen, die man ehrlichen Herzens für richtig hält.

Aber was ist richtig, was ist falsch? Zählt die Form oder der Inhalt einer Handlung mehr? Ist es z.B. tatsächlich relevant, ob die Gemeindevertretungen theoretisch zur Exekutive der Bundesrepublik gehören, wenn die Gemeindevertreter sich doch in der Praxis als Vertreter der Menschen betrachten und entsprechend entscheiden? Muß man ihnen dann nicht nur nahelegen, daß sie mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben als sie denken?

So, genug theoretisiert und reflektiert für heute. Ich gehe jetzt weiter an einem besseren Segel für unser Boot nähen.

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