Lektionen aus dem echten Leben 6

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Wenn einem etwas Wichtiges im Leben fehlt, dann sucht man sich Ersatz der verschiedensten Art. Fast immer fehlt es an Liebe. Liebe ändert alles, sowohl wenn sie fehlt als auch wenn sie auftaucht. Fehlt sie, bekommen die skurrilsten Dinge überdimensionale Bedeutung. Ein großes emotionales Schwarzes Loch, das mit allem, was nur irgendwie greifbar ist, zu füllen versucht wird. Tritt die Liebe dann plötzlich auf, schrumpfen viele Dinge, die vorher die Welt zu bedeuten schienen, auf Staubkorngröße. Liebe macht alles einfach, weil sie der Welt ein Zentrum gibt, das nicht mehr das Ich oder das Du ist, sondern das Wir, ein zweipoliger Motor, der unerschöpflich Kraft gebiert.

Manchmal tritt einem das eigene Ich in Gestalt eines anderes Menschen entgegen. Die Liebe dieses Anderen reflektiert dann die Liebe, die man für sich selbst empfindet und mit Hilfe derer nur man bisher seelisch überlebt hat. Das ist wohl das tiefstmögliche gegenseitige Erkennen. Der Verlust dieses Anderen fühlt sich dann an wie der Verlust der eigenen Identität. Der Verlust des Vertrauens in den Anderen ginge mit dem Verlust des eigenen Selbstvertrauens einher. Es  bedeutet lebensgefährliches Risiko, eine so tiefe Liebe zuzulassen. Aber Liebe, Schmerz und Gefahr lassen einen überhaupt erst merken, dass man lebt. Wer das nicht wenigstens einmal im Leben erfährt, hat nicht tatsächlich gelebt.

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