Archiv für den Monat Januar 2017

Bin ich Sufi?

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„The wise, whatever their faith, have always been able to meet each other beyond those boundaries of external forms and conventions, which are natural and necessary to human life, but which none the less separate humanity. … Mystical ideas are unintelligible to the generality of people. The mystics have, therefore, usually imparted their ideas to a chosen few only, to those whom they could trust, who were ready for initiation and discipleship.

… indeed, Jesus is said to stand, in a sense, at the head of the Sufis.

To be „in the world, but not of it,“ free from ambition, greed, intellectual pride, blind obedience to custom, or awe of persons higher in rank—that is the Sufi’s ideal.“

Übersetzung:
Die Weisen waren unabhängig von ihrem Glauben immer in der Lage, einander über diese Grenzen äußerer Formen und Konventionen hinweg zu begegnen. Diese Grenzen sind natürlichen Ursprungs und für das menschliche Leben unverzichtbar – nichtsdestotrotz spalten sie die Menschheit. … Mystische Ideen sind der Mehrheit der Leute unverständlich. Deshalb haben die Mystiker ihre Ideen nur einigen wenigen Auserwählten mitgeteilt, denen sie trauen konnten und die bereit waren für Weihen und Jüngerschaft.

… in der Tat wird von Jesus gesagt, er sei in gewissem Sinne der höchste aller Sufis gwesen.

„In dieser Welt, aber nicht von ihr“ zu sein, frei von Ehrgeiz, Gier, Geistesdünkel, blinder Sittentreue oder Obrigkeitsscheu – das ist das Ideal des Sufi.“

http://sufiway.org/about-us/the-origins-of-sufism

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Lektionen aus dem echten Leben 2

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Vermutlich sind die Menschen überall so. Die Mehrheit jedenfalls. Vermutlich bin ich geistig und charakterlich generell ein Alien, wie ich es eigentlich von Kindheit an war (aber ich dachte immer, das habe andere Gründe gehabt). Wie meine Tochter es ist, der ich die Klarheit und Ehrlichkeit im Umgang mit sich selbst und der Welt weitergeben konnte und die schon jetzt auf Altersgenossen wie Ältere mit ungläubigem Staunen schaut. Dass man sich so kindisch und unreif verhalten kann. Und auf die Altersgenossen und Ältere ihrerseits mit ungläubigem Staunen schauen, wie man so selbstdispipliniert und willensstark sein kann, so reif und selbständig. In dem Alter schon.

Ich habe es nur früher nicht so gemerkt, weil ich nirgends sozial eingebunden war, jedenfalls nicht dauerhaft. Wenn es nicht mehr funzte, ließ ich es eben hinter mir. Das konnte und kann ich noch immer sehr gut. Es gibt eine Phase der Entscheidungsfindung, die wehtut, ein scharfer Schnitt, und dann: vorbei, verweht, nie wieder. Vorwärts geht’s, den Blick zum Horizont. Es kommt immer was Neues, das Leben geht weiter. Aus den Augen, aus dem Sinn. Leben ohne Rücksicht, wenn man es genau nimmt. Jetzt muss ich Rücksicht nehmen, denn ich geh diesmal nicht wieder weg. Der Horizont ist hier. Dies ist der Mittelpunkt meines Wesens. Hier mache ich am meisten Sinn. Hier zu leben wie bisher führt zur Einsamkeit, weil man sich früher oder später mit allen verkracht. Weil man so hart zu anderen ist wie zu sich selbst. Das ertragen sie nicht. Ehrlichkeit verstehen sie hier nicht. Ehrlichkeit ist immer Angriff auf all die uneingestandenen Lebenslügen, aus denen sie hier gemeinschaftlich ihre kleine Welt bauen und in denen sie sich gegenseitig bestärken, um sich Wohlwollen zu erkaufen. Ein ehrlicher Mensch ist hier immer ein Gefährder. Dazu braucht es gar keine staatsrechtlichen Grundsatzfragen, da reicht das ganz alltägliche nachbarschaftliche und lokalpolitische Miteinander. Eine Stadt voller unglücklicher Leute, die ihr Leben nur mit Lügen ertragen können und Wahrheit füreinander geflissentlich ignorieren, wenn es ihnen nutzt. Unabgesprochen, in stillem Einverständnis, in vorauseilendem Gehorsam zwecks persönlicher Interessensicherung. Hochinteressante Szenen lassen sich da beobachten. Der Jeht-ma-nüscht-an-Antrieb („somebody else’s  problem drive“) eines Douglas Adams muss in einer solchen Kleinstadt erfunden worden sein. Entweder der oder sonst Baron von Münchhausen mit Gehässigkeitssoße. Wahrheit ist die einzige, die fehlt …

Hier kann man wohl nur tun, was ich schon vor zwanzig Jahren instinktiv hier tun wollte: Die andere Party sein, die coolere, die spannendere, die ehrlichere. Die Sitten ändern, indem man anders ist und bleibt und für jene wenigen, die hier damit etwas anfangen können, ein Andockpunkt wird. Damit sie einen Grund haben, hierzubleiben und mitzuändern, was sie unerträglich finden. Cluster bilden. Das Gute und Schöne pflegen, Ehrlichkeit belohnen, Verlogenheit ahnden. Der rechtlich-politische Aspekt versinkt fast in Bedeutungslosigkeit angesichts der Aufgabe, generell aufrichtigen Umgang miteinander und mit der Welt zu lehren.

Lektionen aus dem echten Leben 1

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Es hat sich als unvorteilhaft erwiesen, mit „normalen“ Leuten aus dem näheren kleinstädtischen Umfeld per Facebook zu kommunizieren. Es hat sich überhaupt als immer wieder erschreckend herausgestellt, sich näher auf sie einzulassen. Die herrschende Art und Weise, mit Wahrheiten, ja, mit banaler Alltagsrealität umzugehen, ist höchst befremdlich. Die persönliche Wahrnehmung ist hier meist nichts als ein Instrument, um sich die Welt so zurechtzubiegen, dass sie einen am wenigsten mit eigenen Schwächen, Fehlleistungen und Unzulänglichkeiten konfrontiert. Eine Riesenherde schizophrener Projektionsprofis. Wie geht man als skrupellos reflektierender und sich systematisch weiterentwickelnder Mensch mit so einem Umfeld um, das alles verdrängt, verleugnet und verleumdet, sobald es am schönstmöglichen Schein kratzt? Redet man ihnen wohlfeil nach dem Munde, damit sie nicht bösartig werden? Behandelt man sie wie Irre, die man nicht reizen darf, indem man ihre Traumwelt in Frage stellt? Ist das überall so? Sind die Menschen überall irre? Oder ist irre, wer ihr Spiel nicht mitspielt, sondern auf seiner eigenen Wahrnehmung besteht und danach handelt?