Archiv der Kategorie: Diverses

Würde ist der Schlüssel

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Heute morgen habe ich auf einmal verstanden, warum ich mich so schwer tue, „meine“ Kleidung wieder zu tragen. Traditionelle Kleidung signalisiert Würde. Und diese Würde lebe ich seit ca. 4 Jahren nicht, weil ich mit wirtschaftlichem Überleben beschäftigt war und bin. Deshalb entsteht Spannung zwischen dem, was die Kleidung – nicht zuletzt mir selbst – signalisiert, und dem, wie ich real lebe.

Würde hat für mich seit Jahren keine Priotität gehabt. Hatte sie überhaupt jemals Priorität? War ich mir jemals innere Würde wert? Liegt es am Alter, das ihr Fehlen spürbar wird?

All die Jahre, Jahrzehnte, in denen ich „meine“ Kleidung trug, war sie ein Zeichen für mich selbst, was mir wichtig ist. Es war trotzige Selbstdarstellung, kein gelebter Wert. Oder nur zeitweise erfolgreich gelebter Wert. Ich habe immer noch meinen Platz und meine Funktion gesucht.

Mit dem Abstand der langen Pause und dem alltäglichen Angekommensein bei dem, wofür ich hier bin und kämpfe, funktioniert „meine“ Kleidung nicht mehr wie früher. Sie war Ersatz für das, was ich noch nicht gefunden hatte. Jetzt habe ich es gefunden, und sie braucht eine neue Bedeutung, damit ich mich wohl in ihr fühle.

Ich muss die Würde meiner traditionellen Kleidung verinnerlichen und im Alltag leben.

Time for dignity.

Ich hab mich verändert

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Fast 20 Jahre war ich es gewohnt, mich als auffällig traditionell oder künstlerisch-alternativ zu kleiden. Jetzt habe ich vier Jahre ganz überwiegend in 0815 nichtssagender, rein praktischer Kleidung verbracht. Ich dachte dann, ich könnte einfach bewusst zur traditionellen Kleidung zurückkehren, aber ich stelle überrascht fest, dass ich mich nicht mehr so wohl darin fühle. Ich empfinde sie als vergleichsweise unpraktisch, fühle mich verkleidet. Das entsetzt mich einigermaßen, denn diese Art Kleidung gehörte zu meinem Ich, war fester Bestandteil meiner Identität. Ich fiel stolz und selbstbewusst auf. Jetzt genieße ich die visuelle Unscheinbarkeit, fühle mich latent gestresst und unsicher, wenn ich wieder durch mein Äußeres auffalle. Ich möchte tatsächlich nicht gesehen werden. Ich hab mich verändert, die wilden Jahre sind vorbei? Ich habe nicht mehr genug Zeit, mich selbst zu gestalten. Ich nehme mir nicht mehr genug Zeit. Weil ich so vieles „Wichtigeres“ zu tun habe. Ist das ein Rückschritt? Oder ist es gut, wenn man nicht mehr so auf sich selbst fokussiert ist, sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt? Zeugt es nicht von fehlender Kraft?

Wo soll ich mich hinwenden …

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,,, in dieser schlechten Zeit? Konfrontation mit einem totalitären Machtapparat ist wie Widerstand der Löwenzahnblüte gegen den Rasenmäher. Im Ausweichen liegt das Überleben. Die Milgram-Experimente haben zwar gezeigt, dass viele folgen, wenn einer die alternative Handlungsmöglichkeit gegen den Wunsch der Autorität vorführt. Aber – im Experiment stand für die Teilnehmer nicht ihre gesamte Existenz auf dem Spiel.

Es ist mit meiner Weltanschauung und meinem Gewissen nicht vereinbar, die aktuellen „Regeln“ einer Regierung zu befolgen, die nachweislich nicht das Wohl der Menschen verfolgt, sondern zu ihrem persönlichen Vorteil die wirtschaftlichen Interessen einer menschenfeindlichen Mafia bedient. Wenn ich erhalten will, was ich und meine Mitstreiter mit harter Arbeit für mich und andere Menschen aufgebaut habe, muss ich es aus der Schusslinie halten, bis die Gefahr vorüber ist. Das Risiko der totalen Zerstörung bei offener Widersetzlichkeit ist zu hoch.

Lektionen aus dem echten Leben 11

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Seit dem letzten großen inneren Konflikt sind fast 3 Jahre vergangen. Die damals neue Beziehung hat sich bewährt, bescherte jetzt aber das nächste große Drama – die Entscheidung zwischen Lebensgefährten und erwachsenem Sohn. Die bitterste Entscheidung meines Lebens bisher, eine extrem schmerzhafte Zwangsabnabelung, von der niemand weiß, was sie für Folgen haben wird. Jedenfalls wird die Entscheidung gegen den Sohn in der kleinen Stadt erhebliche Wellen machen. Wie die direkt Betroffenen bis hin zu den Enkeln damit umgehen, werden wir sehen. Meine eigenen Emotionen sind noch unter der Schockdecke versteckt. Ich habe meine Entscheidung danach getroffen, was sich richtiger anfühlt. Der unausweichliche emotionale Zusammenbruch kommt erst noch, momentan funktioniere ich hauptsächlich. Wir haben alles in unser kleines, zunehmend erfolgreiches Geschäft gesteckt. Seit gestern stehen wir allein da. Ein neues Team muss sich erst finden.

Jemand, dem man intime und heikle Interna anvertraut hat, kann einen schrecklich verletzen. Aber Angst ist eine schlechte Grundlage für richtige Entscheidungen. Erwachsene Menschen sind für ihre Entscheidungen und deren Konsequenzen voll verantwortlich. Einer wie der andere. I am ready for the impact. Brace, brace!

Lektionen aus dem echten Leben 9

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Es wächst das Gefühl, sich befreien zu müssen von (fast) allem, was ich mir in den vergangenen 3-4 Jahren an Konstrukten zurechtgezimmert habe, bzw. von noch älteren Strukturen, die mich alle inzwischen viel zu viel belasten und einschränken und nicht das gebracht haben, was sie bringen sollten. Viel Verpflichtung und wenig sichtbarer Nutzen. Dann aber werde ich eine andere wirtschaftliche Lebensgrundlage brauchen – und ein effektives Schutzschild gegen den Machtapparat bleibt zwingend notwendig.

Eine bittere Lektion liegt darin, wie wenig man sich auf andere Menschen verlassen kann und wie schwer Ehrlichkeit es hat in einem Meer der Engstirnigkeit und Verlogenheit. Ich weiß, das war zu allen Zeiten so, und nicht wenige von uns sind daran zugrunde gegangen. Der Preis für die Unterstützung der Gemeinschaft ist Anpassung an ihre Lügen. Wer ihn nicht zahlen will, wird auf die Gemeinschaft verzichten und auf sich gestellt sehr, sehr stark sein müssen, denn wer nicht mitlügt, wird als Feind behandelt.

Vielleicht ist ein Mittelweg möglich. Das bleibt herauszufinden.

Prioritäten

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Ich mag mein Leben, so wie es jetzt ist. Kein einziges Element daraus möchte ich missen. Meine einzige Beschwerde ist, dass es mir nicht schnell genug geht mit dem, was ich tue. Ja, es ist viel. Von außen könnte man denken, zu viel. Ich springe zwischen den verschiedenen Baustellen hin und her, habe endlos lange To-do-Listen, muss dauernd Prioritäten setzen. Nicht immer gefällt anderen Leuten, die mit mir zu tun haben, wie ich diese Prioritäten setze. Manch einer wünscht sich, ich würde seine Bedürfnisse mehr berücksichtigen. Geht nicht.

Hier meine Prioritäten:

  1. Ich. Ich muss funktionieren, darf mich deshalb nicht zu sehr unter Stress setzen, um die Erwartungen anderer zu erfüllen. Einen gewissen Stress brauche ich zwar, um motiviert zu bleiben. Beim Rest wird aber gnadenlos gestrichen und verschoben.
  2. Meine Tochter, mein Mann, mein Sohn, meine Enkel. Für sie bin ich sofort da, wenn sie mich persönlich brauchen. Außerdem auch für die ältere Generation meiner Familie, wenn es akut wird.
  3. Meine Tiere. Ich möchte keines missen.
  4. Das kleine Unternehmen, der unsere solide Lebensgrundlage hier im Ort werden soll und sich gut entwickelt.
  5. Dann erst meine Freunde. Sorry. Sie sind alle erwachsen und haben sich ihr Leben eingerichtet wie ich mir meines. Ich bin nicht dafür zuständig, dass ihr Leben mit meinem kompatibel ist. Ich bin für sie da, soweit ich Kapazitäten frei habe. Aber ich werde meine Lebensweise nicht nach ihren Bedürfnissen ausrichten, und emotional erpressen lasse ich mich auch nicht mehr.

Und nun zurück in den Trubel.

Lektionen aus dem echten Leben 5

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Es ist bedrückend, wie normal es anscheinend ist, einander zu belügen. Erneut erlebe ich die Enttäuschung, dass sich etwas, was ich jemandem geglaubt habe, als vorsätzliche Lüge herausstellt. Es macht mich todtraurig, dass wieder jemand, den ich geschätzt habe, sich als unehrlich erweist. Andererseits ist es erstaunlich, wie ich fast fünfzig Jahre alt werden konnte, ohne das Urvertrauen in die generelle Aufrichtigkeit der Menschen zu verlieren. Oder das erstaunlich weit verbreitete, enorme Schauspieltalent um mich her zu erkennen.

Erst verlor ich den Glauben an den Staat, dann verlor ich den Glauben an die Menschen. Was bleibt? Der Rest.