Die nächste Verlängerung im Krisenspiel

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Weil ich es selbst nicht unterhaltsamer und prägnanter auf den Punkt bringen könnte, hier  Politplatschquatsch aus Merseburg zum Thema Zypern:

„Ein Handstreich, der aus einem immerhin noch demokratisch verfassten Europa ein Reich macht, in dem von einer nicht legitimierten Junta fragwürdiger Zusammensetzung nach Bedarf Recht suspendiert und Grundrechte ausgehebelt werden. Ein Kontinent, in dem Machthaber künftig in kleinen Kungelrunden beschließen könnten, was immer sie wollen – eine eifrige Staatsbürokratie würde es umsetzen. Zypern war vielleicht als ausreichend kleiner und zugleich ausreichend großer Testpatient gewählt worden. Vielleicht aber war Zypern auch nur ein zufälliges Opfer, vielleicht hätte es, bei besserem Wetter, auch die Spanier treffen können, deren Banken Europa letztes Jahr mit 100 Milliarden rettete, ohne dass auch nur ein Spanier einen Cent vom Konto abgebucht bekam.
Einmal mehr gleicht die Rettung damit all jenen Rettungen, die Europas Führungspersonal seinem Publikum seit beinahe fünf Jahren in endloser Folge vorführt. Nach „Stunden hektischer Krisendiplomatie“ (FAZ), in denen Tabus und Gesetze gebrochen, Völkerrecht gebogen und Versprechen von gestern mit den leeren Kaffeetassen abgeräumt werden, reicht es nie zu einem Endspiel. Sondern immer nur zur nächsten Verlängerung.

… der selbsternannte alte Rettungsfuchs Schäuble …  – plötzlich ein Putschist, der ausgezogen ist, einen Coup zu landen. Und beim ersten Schuss bemerkt, dass er die Munition zu Hause vergessen hat.

Das mächtige Europa, es ist selbst in der Stunde höchster Not unfähig, die „richtigen Entscheidungen“ (Schäuble) zu treffen. Oder auch nur die falschen umzusetzen. Statt chirurgischer Präzision gibt es brutale Holzhackerei zu besichtigen, statt kluger Politik sieht das Publikum ein tolldreistes Debakel, dessen Ergebnisse desaströs sind. 96 Stunden nach dem Versuch, Europa noch ein wenig mehr unter die Knute der Alternativlosigkeit zu zwingen, klappen die Kulissen um und zeigen einen Kontinent der Regel- und Zügellosigkeit: Die Zyprioten sind empört. Die zypriotische Regierung ist blamiert. Die EZB hat sich als Regierungsorgan enttarnt. Die informelle Euro-Gruppe steht als Kungelkreis da, der seine Kraft mutwillig an den Schwächsten ausprobiert. Zypern ist nicht gerettet. Rußland ist erbost. Die Deutschen schließlich sind wie immer an allen und allem schuld. Und an der Heimatfront tobt nun ein Hauen und Stechen vor der Tür, durch die alle, die eben noch Beifall klatschten, nun hinausdrängeln, um vor den Kameras harsche Kritik zu üben. Peer Steinbrück, der in der Enteignung der Zyprioten eben noch einen Schritt in die „richtige Richtung“ (Steinbrück) sah, dackelt vornweg: „Das war ein eklatanter politischer Fehler“, tönt der charakterstarke kommende Kanzler nun.“

😀

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  1. Gut gebrüllt Löwe!

    Ich meine, dass die Regierung in Nikosia allen EU-Politmarionetten zum Trotz beschliessen sollte, den € durch die Wiedereinführung des „Zypern-Pfunds“ abzulösten.

  2. Zitat Steinbrück: “Das war ein eklatanter politischer Fehler”

    Bereits die € – Einführung ohne das Volk zu befragen war ein „eklatanter politischer Fehler” der sich nun Schritt für Schritt rächt.

  3. Das von der Propaganda angestrebte Ergebnis. Propaganda ist legitimes politisches Mittel, seit die Staatsgewalt nicht mehr von einzelnen Herrschern, sondern vom Volk ausgeübt wird … ^^

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